Muttertag ist zwar nicht explizit ein biblisches Fest, aber es geht zurück auf eine
amerikanische Christin, die so ihre Mutter ehren wollte. Genau wie es das vierte
Gebot sagt:
2Mo 20:12 Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in
dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt. –
Ich denke, dieses vierte Gebot zeigt auf besondere Weise, welch wohltuende
Absichten Gott bei jedem der 10 Gebot hat. Wir erkennen durch dieses Gebot,
dass er gute Gedanken für uns hat… für Eltern und Kinder jeder Generation.
Wir haben ein Fest daraus gemacht, wo härzige Buben und Mädchen ihren
Müttern gekaufte, gepflückte oder gar geklaute Blumen bringen! (In bester
Absicht beim Blumenbeet unserer Nachbarn «gefunden».)
Paulus greift das Thema in seinem Brief an die Epheser auf und kommentiert es:
Eph 6:2 “Ehre deinen Vater und deine Mutter” -das ist das erste Gebot, das Gott
mit einer Zusage verbunden hat-, 3 “damit es dir gut geht, und du lange auf dieser
Erde lebst.”
Wow, das Erste Gebot, das Gott mit einer Zusage verbunden hat! Wer möchte das
nicht? Lange leben, und dabei auch noch gut leben!
Einigen fällt es leicht, die eigene Mutter und den eigenen Vater zu ehren. Aus
der Seelsorgepraxis und aus meinem eigenen Leben weiss ich aber, dass es auch
heute viele Söhne und Töchter gibt, die bis ins hohe Alter Schmerz empfinden,
wenn sie auf ihre Kindheit zurückblicken! Es kommen Gefühle hoch von Schmerz,
Scham, Minderwertigkeit oder Einsamkeit. Sie haben ein langes Leben lang
versucht, sie zu überwinden, oft einfach zu unterdrücken! Dies sind Zeichen, dass
hier keine innere Normalisierung in der Beziehung zu den Eltern stattgefunden
hat. Und doch bietet gerade dieses Gebot einen Ausweg aus der emotionalen
Sackgasse.
Es liegt auf der Hand, dass solche Gefühle unser Leben nicht positiv prägen, und
auch nicht verlängern! Im Gegenteil. Negative Emotionen verkürzen nachweislich
das Leben. Sie rauben Lebensqualität, machen anfällig für Krankheiten. Menschen
mit einer solchen Last im Herzen neigen dazu, das Leben als einen ständigen
Überlebenskampf zu erleben. Sie werden oft von den Stresshormonen Adrenalin
und Kortisol überflutet. Das führt zu einer ganzen Reihe von körperlichen
Reaktionen:
➢ das Herz schlägt schneller
➢ der Blutdruck steigt
➢ die Muskeln spannen sich stark an.
Wenn dies immer wieder geschieht, führt es in den meisten Fällen zu typischen
Krankheiten wie zum Beispiel:
➢ Kraftlosigkeit und Müdigkeit
➢ Magengeschwüren
➢ Rückenschmerzen
➢ Herz-Kreislauf-Beschwerden
➢ Verdauungsproblemen
➢ Schlafstörungen
➢ Gedächtnisschwäche
➢ Sexuelle Störungen und v.a.m.
Wer sich oft ärgert, neigt dazu zu Übergewicht, denn er möchte mit Essen seiner
Seele etwas Gutes tun! Was wiederum eine Kette von negativen Folgen nach sich
zieht.
Es ist also geradezu dramatisch wichtig, dass wir uns mit unseren Eltern, mit
unserer Kindheitsgeschichte versöhnen!
Es hat weitreichende Folgen, welche Entscheidung wir fällen in Bezug auf das
vierte Gebot! Wenn Gott also sagt: Ehre Vater und Mutter… dann sendet er uns
auf eine Pilgerreise, bei der er selber dein Fremdenführer durch schwieriges
Gelände sein möchte! Er bietet uns seine Hand an, damit wir aus einer Lebenswelt
voller Mienen und Ruinen in eine Lebenswelt auswandern, die voller
Lebensqualität ist, wo bildlich gesprochen «Milch und Honig» fliessen!
Wie kann eine solche Reise aussehen? Was ist dabei zu beachten?
Paradoxerweise empfiehlt uns die Bibel, als erstes einen gesunden Abstand
einzunehmen!
1Mo 2:24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und
seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.
Warum nun das? Weil unsere erste Erfahrung mit unseren Eltern ist, dass wir von
ihnen völlig abhängig sind! Sie erscheinen einem beinahe allmächtig und
allwissend! Sie sorgen für Essen, für Wärme im Winter, für Kleidung, für Schutz
vor Tieren, bösen Nachbarskindern… einfach für alle unsere Bedürfnisse. Eltern
sind für Kleinkinder beinahe Gott ähnlich! Erst mit der Zeit scheinen sie plötzlich
auch mal ohnmächtig zu sein! Irgendwann wird diese Abhängigkeit von den Eltern
auch als negativ empfunden. Ich fühlte mich auch ausgeliefert, oftmals auch
ungerecht behandelt und falsch verstanden….
Besonders die Zeit, in der sich das Kind zum jungen Erwachsenen wandelt, erweist
sich als schwierig für beide! Für das Kind und die Eltern! Spätestens jetzt sieht das
Kind, dass die Eltern keinesfalls fehlerlos sind! Es möchte vieles anders angehen.
Es möchte seine eigenen Werte finden und eigene Wege gehen und leben! Das
wiederum kann Eltern ziemlich überfordern!
Einige reagieren mit Unverständnis, versuchen die Bindung zu ihren Kindern
zurück zu gewinnen, mit verschiedenen Mitteln! Verwöhnung, Manipulation,
Rechthaberei, Druck über die Finanzen…etc. Andere ziehen sich verletzt zurück:
«Ich habe doch immer nur das Beste für meine Kinder gewollt, und immer alles
für sie gemacht und mich für sie aufgeopfert!»
So oder so ist es für Kinder nicht einfach, sich abzulösen! Die Bibel ermutigt uns
aber, die Eltern zu verlassen! Es ist unser schöpfungsmässiger Auftrag! Sozusagen
genetisch in sie hineinprogrammiert!
Kontext: in der AT Zeit wurden Frauen von ihren Familien getrennt, um zu den
Familien des Ehemannes zu ziehen. Bei Rebekka 1600 km in 3-4 Monaten. Das war
für sie nicht einfach. Schon damals hatten Mütter Mühe damit, dass ihre Söhne
nun diesen fremden Frauen zu überlassen! (Die meistens der Vater durch
Verhandlung mit um einen «Brautpreis» ausgesucht hatte!)
Dieser Vers bedeutet also nicht, dass Söhne unbedingt wegziehen müssen! Sie
lebten weiter in unmittelbarer Umgebung der Eltern! Aber es bedeutet, dass sich
Söhne emotional von ihren Eltern trennen müssen, um sich ganz auf ihre Frauen,
und später auch Kinder einzulassen. Eine neue Familie zu gründen, und oftmals
auch ihre Frauen zu schützen!
Diese Aufgabe ist auch heute für Söhne und Töchter dieselbe! Kinder müs- sen
eine emotionale Distanz zu ihren Eltern entwickeln können. Nur so werden sie zu
eigenständig denkenden und fühlenden Menschen.
→ ermöglicht ein eigenständiges Einlassen auf neue Beziehungen! (nicht nur
potenzielle Ehepartner!)
→ ermöglicht ein eigenständiges Einlassen auf Gott!!!!
→ ermöglicht die Gründung einer neuen Familie!!!
→ ermöglicht aber auch ein eigenständiges, neues Einlassen auf die eigenen
Eltern! Nicht mehr aus der Abhängigkeit heraus, sondern aus der Ebenbildlichkeit,
Augenhöhe.
Probiere es mal aus, deiner Mutter oder Vater freundlich und bestimmt zu sagen:
„Danke für deine Meinung! Ich werde es bedenken, und dann tun, was ich für
richtig halte.“ Gesunde Abgrenzung gehört auch zum Ehren der Eltern.
Wenn du jemanden ehrst, ist die Beziehung von guten Gefühlen begleitet.
➢ Gute Gefühle machen mutig, begünstigen den Aufbau und die Pflege sozialer
Beziehungen und Bindungen, die uns das Leben erleichtern und auf die wir in
Krisenzeiten zurückgreifen können.
➢ ermöglichen und fördern das Lernen, kreative Problemlösungen und erhöhen
allgemein die Aufmerksamkeit
➢ wirken sich positiv auf die körperliche Gesundheit aus, stärken die
Immunabwehr, mildern Stressreaktionen und stabilisieren das Gewicht!
➢ verbessern die Qualität unserer psychischen Fähigkeiten, festigen deine
Identität, stärken deine Resilienz (innere Widerstandskraft) Zielgerichtetheit
und Optimismus. Machen dich zu dem, was Gott immer vor hatte mit dir!
Dazu kommt ein geistliches Gesetz: Du erntest, was du gesät hast. Die geehrte
Person wird auch dir eher positiv begegnen. „wer Ehre säht, wird Ehre ernten!“
So wie der Mensch sich auf Gott einlassen soll in Liebe, und ihn dabei ehren soll,
so soll er es auch bei seinen Eltern tun! Die Eltern ehren ist mehr, als sie «recht»
zu behandeln.
Ehren kommt von hebräisch «kabod» Das Wort «kabod» steht auch für Anbetung,
Ehrerbietung, die wir Gott bringen sollen! Es steht auch für die Herrlichkeit
Gottes, die bei seiner Gegenwart den Raum erfüllt! Dies deutet an, dass wir bei
der Ehre, welche wir unseren Eltern geben, gleichzeitig auch Gott ehren! Denn er
hat uns die Eltern gegeben, sie sind beide unsere Schöpfer!
Das Besondere an diesem Wort: Seine ursprüngliche Bedeutung ist: „Gewicht,
Schwere“ = Gewicht haben. Früher hat man den Wert einer Sache oftmals über
das Gewicht bestimmt. Zum Beispiel über das Gewicht an Gold, oder Silber das
man dafür bezahlen musste.
Jetzt möchte ich mal euer sprachwissenschaftliches Gespür testen:
Welche Verbindung macht ihr beim Wort wichtig? Was bedeutet es, wenn euch
jemand «wichtig» ist??? —— Genau! Es derselbe Zusammenhang!
Wenn sie uns wichtig sind, ehren wir sie! Falls sie das auch spüren! Viele ältere
Menschen erleben genau das Gegenteil! Sie sind unwichtig! Wenn sie nicht mehr
gut hören…sind sie oft beinahe verloren an einem Familienfest!
Gott möchte aber, dass wir unsere Eltern eine gewichtige Rolle in unserem Leben
beimessen! Bis ins hohe Alter! Du magst jetzt sagen: «Du hast leicht reden! Meine
Eltern haben mich so sehr verletzt, oder so sehr an sich gebunden, ich muss heute
Abstand halten!
Ja, das glaube ich dir gerne! Es ist oft ein langer Weg, den wir gehen müssen.
Aber eines ist sicher: Wenn Gott einen Auftrag gibt, ist er selber dabei, das hat er
verbindlich versprochen! Wenn er dich auf den Weg sendet: «Geh zurück zu
deinen Eltern, um sie zu ehren», dann lässt er dich nicht alleine gehen! Er kommt
mit dir, er heilt deine Wunden, er ist dein Schutz und dein Tröster. Das hat er ganz
klar versprochen! Ich habe es selber erlebt:
Mein Selbstwertgefühl war mit ca. 15 Jahren total am Boden! Ich will hier nicht
erzählen warum, denn ich weiss heute, meine Eltern haben sich Mühe gegeben,
und sie hatten Mühe! Sie waren selber in einer sehr harten Zeit aufgewachsen,
haben Schicksalsschläge hinnehmen müssen, waren ohne Hilfe und ohne Gott!
Mit 16 bin ich sozusagen von Zuhause ausgewandert in einen Sprachaufenthalt in
der französisch sprachigen Schweiz. Mein Begleiter waren mehrere destruktive
Herzens-Festlegungen:
➢ Rache: Ich zahle euch alles heim!
➢ Stolz: Ich werde alles besser machen als ihr!
➢ Verweigerung: Ich komme nicht zurück!
Klar, hat das mein Leben negativ geprägt! Dank der Gnade Gottes, und auch ein
paar geschickte Manöver von seiner Seite musste ich mich meinen eigenen
destruktiven, selbst-und andere zerstörenden Festlegungen stellen!
Ich weiss nicht mehr wann, aber ich habe Busse getan, und mich entschieden, das
vierte Gebot nicht mehr als eine unsensible Überforderung Gottes zu sehen,
sondern als einen Teil der Erlösung, die am Kreuz geschehen ist, und die mein
Leben segnen will, und auch das Leben meiner Eltern!
➢ Ich habe erkannt, dass auch ich Fehler mache, und Gnade benötige
➢ Ich habe darüber nachgedacht, wie viele positive Werte sie mitgegeben
haben. Sicher mit zu viel Druck, aber dennoch wertvoll.
Als mein Vater vor 4 Jahren gestorben ist, kam es wenige Wochen vorher zu einer
beinahe dramatischen Versöhnung, weil im Jesus im Koma erschienen war! Doch
bereits die Wochen davor, als wir bei der Pflege helfen mussten, waren ein Segen
für ihn, meine Mutter, Simone und mich!
Auch das Verhältnis zu meiner Mutter ist heute sehr freundschaftlich und
liebevoll. Ich möchte Jesus dafür die Ehre geben! Und seinem Wort, das mich oft
herausfordert. Das mich aber auch begleitet und ermutigt hat. Und mir den Weg
zeigte zu einem guten Leben! „Ehre Vater und Mutter, damit es dir gut geht, und
du lange auf dieser Erde lebst.”
Entscheidest du dich sie zu ehren? Einen Blickwechsel zu vollziehen? Dann wirst
du auch eine andere Verheissung erben: Jesaja 41:18 (Buchzeichen verteilen)
18 Auf den kahlen Hügeln lasse ich Bäche hervorbrechen, und in öden Tälern sollen
Quellen entspringen. Ich verwandle die Wüste in fruchtbares Land mit Teichen und
sprudelnden Quellen.