Sola Fide – Ohne Religion wäre die Welt freidlicher! 25. Februar 2018
In Hiob 37:2 heisst es dramatisch: Hört ihr, wie der Donner rollt? Hört ihr Gottes
Stimme? Welch ein Grollen kommt aus seinem Mund! 5 Gott lässt es donnern –
seine Stimme überwältigt uns; er vollbringt große Wunder, die wir nicht begreifen.
Was Hiob vor vielen Tausend Jahren gesagt hat, wurde im Mittelarlter zum
prophetischen Startsignal von gewaltigen Umwälzungen in der gesamten Welt!
Film Luther/Donner (Luther gelobt Gott in einem mächtigen Gewitter, Mönch zu werden)
Wie es mit Luther weiter geht, hören wir später. Zuerst aber ein Wort zu meinem
persönlichen Bezug zum Thema: Ich war formal katholisch aufgewachsen, aber
meine Eltern besuchten nie die Kirche. Es ging nur darum, die anderen Leute
zufrieden zu stellen. Trotzdem hatte ich einen kindlichen Glauben, und grosses
Interesse an Gott.
In meiner Teenie-Zeit entwickelte ich eine sehr kritische Haltung, auch weil
atheistisch gesinnte Lehrer uns dazu anleiteten. Kurz nach meinem 16. Geburtstag
entschloss ich mich, den Glauben an einen Gott aufzugeben. Ich wurde reiner
Materialist und Atheist. Auch ich sagte damals gerne: «ohne Religionen wäre die
Welt friedlicher»
Doch ist das wirklich so? Natürlich sehen wir in Zeiten der islamischen
Gotteskrieger viele Probleme die uns Europäer womöglich auch an die eigene,
schmerzliche Geschichte mit den Kreuzzügen erinnern.
Aber untersuchen wir die Theorie von der Praxis her: Es gab tatsächlich
verschiedene Regierungen, die versuchten, jegliche Religion im Land zu entfernen.
Albanien: Diktator Enver Hodscha, hatte von 1967 bis 1990 Albanien zum
atheistischen Staat erklärt und jegliche Religionsausübung verboten. Er führte
mehrere politische Säuberungswellen durch, denen Zehntausende zum Opfer
fielen. Hodscha alleine in seinen letzten Jahren 750 000 Bunker bauen. Derweil
verhungerte beinahe das Volk.
Noch schlimmer waren andere Machthaber, welche Religion als Wurzel allen Übels
brandmarkten: Stalin brachte unermessliches Leid mit seinen Gulags über ganz
Russland und politische Widersacher. 3 – 20 Millionen Tote gehen auf sein Konto.
→ Mao: seiner Kulturrevolution von 1958 bis 1962 fielen ca. 45 Millionen
Menschen zum Opfer. Er hatte, neben der direkten Verfolgung und Exekutionen,
eine gewaltige Hungersnot ausgelöst. Es ist der größte Massenmord der
Geschichte. Ziel: Der Versuch, die Bauern dazu zu bringen, aus Schrott Stahl zu
schmelzen statt Reis oder Weizen zu ernten. Er wollte aus einem Agrarland eine
industrialisierte kommunistische Großmacht machen. (Welt, vom 24. 2. 2014)
Auch die beiden Weltkriege mit 75 Mio Todesopfer gehen nicht auf das Konto von
religiösen Verführen. Sie sind alleine das Werk von machtbesessenen Politikern…
Welchen Einfluss hat Religionen tatsächlich auf das Leben der Menschen?
Zwiespältiges Resultat. Es gibt Religionen, welche die Menschen mit Angst vor Gott
oder vor Geistern und Dämonen knechten. Man muss sich nur ihre Abbilder
ansehen.
Christentum? Auch hier ist die Billanz zwiespältig. Neben grossartigem Handeln in
den ersten Jahrhunderten beginnen üble Machtspiele von dem Moment an, als das
Christentum zur Staatsreligion wurde.
Darum war ja auch die Reformation nötig! Die katholische Kirche war in einen
Sumpf von Korruption und Geldmacherei geraten. Sie vermochte den Menschen
keine Hoffnung mehr zu vermitteln. Die Menschen sahen darum in Gott dasselbe
wie bei ihren Bischöfen. Man versuchte, einen guten Deal mit IHM auszuhandeln,
um besser wegzukommen im Leben und im Sterben.
Und hier kommt nun genau Martin Luther ins Spiel. Er war Sohn hart arbeitender
Bauern. Sein Vater hatte sich aber nach und nach emporgearbeitet.
Auf väterlichen Wunsch besuchte Luther 1505 die Juristenfakultät in Erfurt. Am
2. Juli 1505 wurde er nach dem Besuch seiner Eltern in Mansfeld auf dem Rückweg
nach Erfurt von einem schweren Gewitter überrascht mit gewaltigen Folgen: Aus
Angst vor dem Tod und dem Fegefeuer gelobte er, ins Kloster einzutreten.
Doch auch als Mönch fand er keine Frieden mit Gott, und keine Freiheit von der
Angst zu sterben. Er lass nächtelang die Bibel in Latein. Fastete, knechtete seinen
Leib mit asketischen Übungen. Er hatte einen guten Seelsorger, aber auch der
vermochte ihm nicht zu helfen.
Im Jahre 1510 reiste Martin Luther mit anderen Ordensbrüdern nach Rom. Damit
ging für ihn ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung, seine Erwartungen waren
hoch. Schon als er die heilige Stadt Rom aus der Ferne erblickte, warf er sich
nieder. Er wollte die Gräber der Märtyrer besuchen und deren Reliquien verehren
sowie die Pilatustreppe erklimmen und darauf beten. Alles in allem hatte er die
Erwartung, gestärkt ins Kloster zurückzukehren. (Film: Luther in Rom auf
Pilatustreppe)
Im Jahre 1511 kehrte Luther enttäuscht zurück. Er erkannte, dass die Priester in
Rom Geld für ihre Messen nahmen und deshalb versuchten extra viele Messen zu
halten, also eine Befreiung der Sünden nur durch Geld möglich ist.
Er begann die etablierte Kirche mit ihrer weltlichen Ausrichtung zu hinterfragen.
Inzwischen Professor an der Universität Wittenberg geworden, versuchte er den
Menschen Hoffnung zu geben durch seine Bibelauslegungen.
Ein besonderer Dorn im Auge war ihm der Ablasshandel, in dem Seelenheil gegen
Geld verkauft wurde. Dazu wieder ein kleiner Filmausschnitt: Film Ablasspredigt
Luther wollte dies nicht länger akzeptieren, so schlug er am 31. Oktober am
Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen an, welche den vom Papst
geführten Ablasshandel heftig kritisierten.
Er griff darin auch die Lehre des Fegefeuers als Irrlehre an, mit der die Menschen
dazu erpresst würden, Geld für den üppigen Lebensstil Roms frei zu machen.
Selber hatte er inzwischen einen persönlichen Durchbruch auf seiner Suche nach
Frieden mit Gott erlebt. Er bezeichnete sie als unerwartete Erleuchtung, nachdem
er sich wieder einmal intensiv die Bibel studierte. Dieser Moment wird als die
reformatorische Wende bezeichnet. Luther las Römer 1:17 und erlebt in diesem
Moment eine grosse Befreiung! Er fand, was er all diese qualvollen Jahre gesucht
hatte. Gott sprach persönlich zu ihm durch diese Verse des Apostel Paulus:
„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem
Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird
aus dem Glauben leben.“ Rö 1:17 aus Luther-Übersetzung
→ Luther fiel es wie Schuppen von den Augen!
Der Mensch kann mit all seinen Bemühungen keine einzige seiner Sünden zum
Verschwinden bringen, ungeschehen machen oder mit guten Taten aufwiegen.
Das einzige was zählt ist das was Jesus getan hat! Er starb völlig freiwillig am Kreuz,
um mit seinem Tod für unsere Schuld zu bezahlen. Keine Dukate, keine Mark,
keine Krone und auch kein einziger Schweizer Franken kann einen Ablass erkaufen.
Die Sündenvergebung ist ein Geschenkt Gottes.
Das Gott uns Menschen für Gerecht erklärt, ist nur Jesus allein zu verdanken.
Gerechtigkeit ist ein Geschenk Gottes. Sehr wertvoll, unbezahlbar wertvoll. Diese
göttliche Gerechtigkeit entfaltet seine Wirkung aber nur bei denjenigen, welche
das Geschenk dankbar annehmen, und daran glauben.
So wurde der Begriff geprägt: Sola Fide! Aus Glaube alleine ist der Mensch
gerettet!
Bedeutung dieser Erkenntnis für die damalige Zeit:
Auch für Zwingli war die Rechtfertigung aus Glaube zentral. Praktisch bedeutete es
zum Beispiel folgendes: Weil man sich bis anhin erhoffte, bei Gott Bonuspunkte
sammeln zu können, wenn man den Armen Almosen gab, liessen Zwingli und die
Stadtregierung das Betteln in Zürich verbieten. Niemand sollte so auf die eigenen
Werke hoffen können. Denn so hatten wiederum nur die Reichen Hoffnung auf
Erlösung.
Dem christlichen Gebot, den Armen zu helfen, sollte stattdessen mit der neuen
Armenfürsorge entsprochen werden. In der genannten Almosenordnung heisst es:
„Als erste Massnahme, um die armen Leute von der Gasse wegzubringen, ist als
Anfang vorgesehen, dass jeden Tag im Dominikanerkloster … Mus und Brot verteilt
werden soll.“
Was bedeutet es heute, aus dem Glauben ewiges Leben zu empfangen?
Ich erlebe es ständig, dass uns gerade diese Wahrheit enorm herausfordert!
Wo vertrauen auch wir auf fromme und gute Werke?
Wieso betonen wir immer wieder, wie gut unser Leben doch ist?
Wieso erleben auch wir immer wieder Angst und Not vor dem Tod?
Wieso versuchen wir immer wieder Gott und uns selbst zu beeindrucken, statt
uns auf seine Liebe zu verlassen?
→ Unglaube bedeutete die Trennung Adams und Evas von Gott: Sie misstrauten
Gott, dass er es gut mit ihnen meint. Sie griffen zur Frucht, weil sie meinten,
dadurch ein besseres Leben zu haben, der Himmel stehe ihnen erst so voll zur
Verfügung!
→ Nur Glaube kann uns darum auch wieder mit Gott zusammenführen. Das
Misstrauen muss beseitigt werden, die Beziehung wiederhergestellt werden!
→ Unterschied, ob ich etwas tue aus Angst… oder auch Glaube und Liebe
Was geschieht durch den Glauben im Leben eines Menschen?
Glaube an einen Gnädigen Gott gibt Hoffnung, Die zuversichtliche Hoffnung auf
das ewige Leben verändert auch dieses Leben. Unser Herz kann neu erfüllt werden
von der Liebe Gottes, die auch Werke der Liebe hervorbringt…
1Kor 13:13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist
die größte unter ihnen.
→ Glaube an Gottes Güte verändert unser Leben fundamental. Viel mehr, als die
Angst es zu tun vermag! Hab keine Angst davor, nachlässig zu werden. Die Liebe ist
das bestmögliche Vitamin für unser Glaubensleben!
Glaube und Freude an Gott: So fällt alles viel leichter:
Vollmacht: Wunder, Heilungen etc. bei den Jüngern damals und heute
Auch das womöglich Schwierigste: ein Zeuge zu sein.
Petrus 3:15 Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen
vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch
auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.
Wenn der Glaube die Liebe in uns aktiviert… dann leben wir anders. Wie die ersten
Christen. Hier ein Auszug einer Schrift, in der ein unbekannter «Schüler» einem
unbekannten «Diognet» seinen Glauben erklärt. (Anhang: Brief an Diognet)
Welche Bedeutung hat der Glaube in deinem Leben? Welches Potenzial?
Wenn du Jesus noch nicht persönlich kennst
Wenn du Jesus bereits angenommen hast als Erlöser? Gibt es mehr?
Aufruf: Es gibt mehr für dich! Aber der Glaube hat besondere Bedeutung Diesseits!
Wenn dich der Glaube an die Schrift, an Jesus und an die Gnade in deinem Leben
konkret leitet, wird es Folgen haben!
Hebräer 11:6 Und ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott
kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn
aufrichtig suchen.
Brief von «Mathetes» (Schüler) an einen «Diognet»
Denn Christen unterscheiden sich weder durch Heimat noch durch Sprache
und Sitte von anderen Menschen. Sie bewohnen keine eigenen Städte,
sprechen keine besondere Sprache und führen kein absonderliches Leben.
Ihre Lehre wurde nicht durch Einfall oder Scharfsinn vorwitziger Menschen
aufgebracht. Sie bewohnen griechische und ausländische Städte, wie es
ihnen das Schicksal beschied. Sie folgen der Landessitte in Kleidung,
Nahrung und der sonstigen Lebensart. Sie legen dabei zugleich eine
wunderbare und sicherlich überraschende Lebensweise an den Tag.
Sie bewohnen jeder sein Vaterland, aber wie Fremde. Als Bürger teilen sie
alles mit den übrigen, aber als Fremde. Jede Fremde ist ihnen Heimat und
jede Heimat eine Fremde. Sie heiraten und haben Kinder wie jedermann,
setzen aber die neugeborenen Kinder nicht aus. Sie haben gemeinsamen
Tisch, aber kein gemeinsames Lager. Sie leben »im Fleische«, aber nicht
»nach dem Fleisch«. Sie leben auf Erden, aber sind Bürger des Himmels. Sie
gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten sie in ihrem
Lebenswandel.
Sie lieben alle, werden aber von allen verfolgt. Sie sind unbekannt und
verdammt, man tötet sie und bringt sie dadurch zum Leben. Sie sind arm
und machen doch viele reich. Sie leiden Mangel an allem und haben doch
an allem Überfluß. Sie werden mißachtet und in der Mißachtung
verherrlicht. Sie werden geschmäht und doch als gerecht erfunden. Sie
werden gekränkt und segnen. Sie werden verspottet und erweisen Ehre. Sie
tun Gutes und werden wie Übeltäter bestraft. Sie werden mit dem Tode
bestraft und freuen sich, als würden sie zum Leben erweckt.
Von den Juden werden sie angefeindet als Fremde und von den Griechen
werden sie verfolgt, doch einen Grund für ihre Feindschaft vermögen die
Hasser nicht anzugeben.
Um es kurz zu sagen: was im Leibe die Seele ist, das sind in der Welt die
Christen. Wie die Seele über alle Glieder des Leibes, so sind die Christen
über die Städte der Welt verbreitet. Die Seele wohnt zwar im Leibe, doch
stammt sie nicht aus dem Leib, so wohnen die Christen zwar in der Welt,
sind aber nicht von der Welt.
(vermutlich aus dem 2. Jahrhundert)